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Funktionen von Inseln in den Binnengewässern der holozänen Siedlungslandschaft Schleswig-Holsteins PDF Drucken E-Mail
thumb_180Die Landschaft Schleswig-Holsteins wird durch mehr als 360 Seen geprägt, in denen oftmals Inseln vorhanden sind, die seit dem Mesolithikum trotz ihrer schweren Erreichbarkeit aufgesucht und besiedelt wurden. Hauptziel dieses von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projektes ist es, in einer diachronen Untersuchung Ursachen für die Nutzung dieser exponierten Orte anhand der exemplarischen Untersuchungsregion „ostholsteinische Seenlandschaft“ zu erarbeiten und Kriterien zu erfassen, die Aufschlüsse über die Funktionen der Inselnutzung ermöglichen.

 

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Ziele

Nach intensiver Prospektion von ca. 60 Inseln im Arbeitsgebiet gilt es, Zeitraum und Charakter der Nutzungen durch Bohrungen und Sondagegrabungen auf ausgewählten Inseln mittels eines gezielten archäologischen und naturwissenschaftlichen Methodenspektrums zu ermitteln. Diese Informationen werden durch Fundplatzkartierungen (arcGIS) in das Umfeld der Seen eingebunden, um gemeinsam mit den palynologischen und archäobotanischen Ergebnissen aus den Bohrkernen und beprobten Kulturschichten Aussagen zur Funktion des Platzes in der Siedlungslandschaft und zur Paläohydrologie des Gewässers (Wasserspiegelkurven) zu gewinnen. 

 

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Erste Feldkampagne

Im Verlaufe der ersten Feldkampagne (Winter 2007/8) konnten zunächst 30 Inseln in sieben Seen prospektiert werden. Dazu gehörte das systematische Absuchen des Bodens nach Oberflächenfunden, die Untersuchung von Bodenaufschlüssen, die Dokumentation von Funden und Befunden sowie Flachwasserprospektionen rund um die Inseln mittels Guckkasten und ABC Ausrüstung (Schnorcheln). Versuchsweise kam auf 3 Inseln Geomagnetik (Gradiometer Typ „Bartigton GRAD 601“) zum Einsatz. Im Anschluss daran wurde auf der Insel „Probstenwerder“ im Lanker See ein 6x1m großer Sondageschnitt angelegt, im dem sich als Befund ein Graben abzeichnete. Ein umfangreiches unterwasserarchäologisches Survey vervollständigte die ersten Felduntersuchungen, welche im Hebst 2008 fortgeführt werden.

   

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Unterwasserarchäologische Untersuchungen

Im Februar und März 2008 fanden die ersten Tauchuntersuchungen im Rahmen des DFG-Projektes „Funktionen von Inseln in den Binnengewässern der holozänen Siedlungslandschaft Schleswig-Holsteins“ (FIBBS) durch Forschungstaucher der Arbeitsgruppe für maritime und limnische Archäologie (AMLA) statt. Unterstützt wurden die Einsätze vom Forschungstauchzentrum der Universität Kiel. In exakt 100 Tauchgängen konnten in 6 Seen 15 Inseln unterwasserarchäologisch prospektiert werden. Dazu wurden die Inseln in Wassertiefen zwischen 2 m und 20 m systematisch umrundet, Funde und Befunde mittels Laser Tachymeter eingemessen, foto- und videografiert sowie relevante Messdaten erhoben. Dendrochronologische Analysen an abgeborgenen Holzpfählen werden eine genaue zeitliche Einordnung der Befunde liefern. 

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Neben diversen Einzelfunden wie Keramik, Knochen, Steinwerkzeug und Netzsenker, konnten Reste einer möglichen, ungefähr 150 m langen und 5-6 m breiten Brückenanlage im Gr. Eutiner See entdeckt werden, die das Festland mit der Fasaneninsel verbunden hat. Keramik, die in ummittelbarer Nähe der Pfahlreste geborgen wurde, lässt auf eine Erbauung bzw. Nutzung in slawischer Zeit schließen. 

 

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Des Weiteren wurden im südlichen Teil des Stolper Sees die Reste einer Motte (château à motte) identifiziert. Auf einem bis 1,8 m unter die Wasseroberfläche ragenden Hügel (110x75m), einem sog. „Kame“, der durch glazifluviale Prozesse entstanden ist, konnten 25 massive Eichenpfähle lokalisiert werden. Zahlreiche Reste von blaugrauer, hart gebrannter Keramik datieren ins 12. und 13. Jahrhundert. Ebenfalls im Bereich dieser Kuppe, die ursprünglich aus dem Wasser geragt haben dürfte, wurden mehrere Steinbeile- und Meißel geborgen, welche einem neolitischen Depot zuzuordnen sind.

Im Gr. Plöner See wurden an der Westseite der Insel Olsborg über 80 Pfähle in Reihe lokalisiert und eingemessen. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um eine Uferbefestigung aus slawischer Zeit. Diese kann weitere Aufschlüsse über den Wasserstand der damaligen Zeit liefern.

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Im südwestlichen Bereich des Gr. Plöner Sees konnte ein Rillenstein im Brandungsbereich der Möweninsel identifiziert werden. Steine dieser Art wurden immer wieder bei jungsteinzeitlichen oder bronzezeitlichen Gräberfeldern angetroffen und sind in der Vergangenheit mit möglichen Flüssigkeitsopfern in Zusammenhang gebracht worden.

 
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